Freitag, 26. August 2011


Ich bin gerührt, zugleich aber auch verängstig, verwirrt und geschockt von der heutigen Therastunde.

Wirklich, ich bin so durcheinander. Ich hab gestern noch gegessen, Musik mit Lautstärke an der Schmerzgrenze gehört, um einfach nur von dem Gedanken "geht es mir schlecht genug?" wegzukommen.
Ich habe mich damit wirklich fertig gemacht.

Nach grade mal 2 Stunden schlechten Schlafs bin ich irgendwie leicht psychotisch in aufgewacht, hab mich hin- und hergewälzt und schlussendlich gewartet, bis meine Mitbewohnerin aus dem Haus war, um duschen zu gehen.

Die Stunde ansich.. hat mit einem Klinikanruf begonnen, nun weiß ich, was es mit der Wackelkandidatin auf sich hat. Sie weiß nicht, ob sie dort bleiben soll, wenn sie nicht mehr kommt, darf ich hin. Falls es gar nicht klappt, gehen meine Thera und ich am Montag direkt dorthin und machen bisschen Druck, selbst wenn ich dann stationär aufgenommen werde. Und wenn auch das nichts wird, haben wir überlegt ne Klinik außerhalb meiner Stadt zu suchen.

Ich bin wirklich froh, dass meine Thera so für mich da ist. Am Montag hab ich so oder so nochmal einen Termin bei ihr, am Freitag gehe ich mit ihr zusammen zum Jugendamt.
Ich soll am Wochenende irgendwas unternehmen und mich verabreden.. wenn ich nichts mache, meinte sie, sie schleppt mich mit auf nen Familienausflug von ihr. Total süß! Und sie meinte das Ernst ;)
Irgendwie ist sie für mich momentan so viel mehr Mutter, als meine leiblichen Eltern. Ich habe sie wirklich ins Herz geschlossen.
Wenn was ist, darf ich sie anrufen, auch am Wochenende. Wenns mir nicht gut geht, können wir uns auf ein Eis treffen, meinte sie.
Ich finde es so toll, jemanden zu haben, der für mich da ist. Ich kenne das nicht. Wirklich nicht.

Von meinen Eltern hab ich mich total distanziert, ich hab nicht das Bedürfnis sie zu sehen, ist jetzt auch schon gut 2, 3 Wochen her. Sie fehlen mir nicht. Sie denken, es geht mir gut.
Ja, das wird lustig. Sie wissen also weder, dass ich zum Jugendamt gehe und sie zahlen MÜSSEN, noch wissen sie, dass ich in ne Klinik gehe. Hach, was freu ich mich auf deren Gesichter, nicht. Meine Thera hilft mir, ihnen das beizubringen, macht es notfalls auch alleine, damit ich aus der Schussbahn bin.

Und nun zum verängstigten Teil: Ich weiß ganzganzganz genau, dass nur noch wenige Therapiesitzungen von der Krankenkasse bewilligt sind. Was ist dann?
Dann bin ich wieder alleine?
Ich habe wirklich große Angst davor, weil ich genau weiß, dass ich dann nicht mehr lebensfähig bin. Momentan ists auch schon echt hart, ich lebe zwischen PC und Fernseher.

Mein Herz brennt.

Ja, es muss sich für euch unheimlich komisch und bekloppt und bescheuert anhören, was ich gerade schreibe. Aber wirklich, ich hab meine Therapeutin so lieb gewonnen. Wie eine Mutter, eine bessere, als meine es jemals war.
Was würdet ihr denken, wenn ihr Angst haben müsst, dass der Mensch, der alles von euch weiß, dem ihr Vertrauen könnt, der für euch da ist, bald weg ist? Weil er doch irgendwie nur bezahlt wird dafür?

Ich weiß nicht, wie viel von ihrer Fürsorge echt ist, wie viel vom Job her. Was ich weiß ist, dass sie mehr tut als sie müsste und mehr, als je ein anderer Mensch für mich getan hat.

Mein Herz brennt weiter, beengend und bedrückend. Und doch so gerührt.

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