Sonntag, 28. Oktober 2012

Ich bin ein wenig sprachlos, aber in meinem Kopf schreit alles. Nicht, weil alles so schrecklich ist, nein, einfach nur weil alles so kompliziert, durcheinander aber auch echt aufregend ist.

Ich will versuchen es euch zu erklären, weil ich es gerade einfach keinem erzählen kann, die Anonymität ist mir hier gerade ganz angenehm.

Damit ihr das versteht, muss ich jetzt etwas weit ausholen.
Also, meine Therapeutin hat so ein "Patensystem" bei sich eingeführt. Klingt seltsam, ist aber einfach nur ein: Vernetzen wir alle meine Patienten, vielleicht bilden sich ja Freundschaften. So habe ich mehrere Leute kennengelernt, unter anderem einen Freund von mir (nennen wir ihn mal Alex), der mich auch zu den Jusos geholt hat. Ich verstehe mich wirklich super bei ihm und irgendwie ist das total cool so, das Verhältnis von uns Patient-Patient-Therapeutin zueinander, nächste Woche gehen wir alle mit dem Mann meiner Therapeutin beim Italiener essen. Das Beispiel soll einfach nochmal zeigen: Wir verstehen uns alle super und es ist echt locker zwischen uns allen.
Das Ganze ist aber insofern etwas awkward, als dass das Therapeut-Patient-Verhältnis natürlich ein sehr intimes ist und ich nie weiß was Alex erzählt (und umgekehrt), bzw. was unsere Therapeutin so alles weiß. Ein bisschen tricky, aber bei einer normalen Freundschaft ist das ja noch handle-bar.

Ich mit meiner Therapeutin habe davon ganz unabhängig das "Projekt Nähe" am laufen (wovon Alex nichts weiß), da ich ziemliche Probleme damit habe, Nähe sowohl körperlich, als auch emotional zuzulassen (was er wiederum glaube ich gerafft hat). Ich soll also sowas ausprobieren, wie Leute umarmen (herzlich - nicht nur diese Begrüßungs- und Abschiedsumarmungen).
In letzter Zeit wird das auch immer einfacher... ich habe sogar mit einem der Jusos (ergo: auch Bekannter von Alex und unsere Therapeutin kennt ihn vom Namen) etwas rumgemacht, nichts Dramatisches, für andere vermutlich ganz normal, aber für mich irgendwie doch ein Schritt.

Nunja, allgemein bin ich in letzter Zeit generell immer offensiver geworden, ich reize gerne, versuche ein bisschen zu taktieren und zu gefallen.
Gestern habe ich mich mit Alex mal wieder getroffen, wir setzen uns gern mal abends bei etwas Wein oder Sekt zusammen und reden einfach über Gott und die Welt.
Hm, ja... ihr habts vermutlich schon den ganzen Text über vermutet, jedenfalls kamen zu der Freundschaft plötzlich extrem viele Extras dazu, eigentlich so ziemlich alles exklusive Geschlechtsverkehr.
"What are we gonna tell our shrink?" - Haha.... hahahahahaha, gute Frage!
Und jetzt? Ich hab gesagt, dass ich vorerst nicht möchte, dass unsere Therapeutin davon erfährt.

Damit bin ich aber auch nicht so ganz zufrieden... das kann ja nichts werden! Vor allem müsste ich ja dann in den Therapiestunden konstant lügen oder verschweigen, denn um Nähe geht es ja gerade in meinen Stunden!

Aber dann geht das Rattern im Kopf wieder los: Was wird sie denken? War das bitchig von mir? Würde sie einfach nur schmunzeln? ... Was wird eigentlich aus der Sache zwischen mir und Alex?
Ich komm mir vor, wie in der schlechtesten Seifenoper ever!

Ohje, ohje, das ist so kompliziert... bitte sagt mir was ihr machen würdet, wie sich das so objektiv anhört! Ich kann das gerade gar nicht differenziert betrachten!

Kommentare:

  1. ich würde es ihr nicht erzählen. ich erzähle ja prinzipiell nicht von sex bei der therapeutin... mal einfach deshalb, weil die sache selbst kein problem ist. wenn es ein riesiges problem wäre, würde ich es ansprechen, aber dann... ohne details (bzw. nur das problemhafte) und ohne namen... ich mein ich bin ja nicht in einer sexgeschichtenerzählstunde sondern eben bei der therapeutin.

    wenn ich du wäre, würde ich es also von mir aus nicht aussprechen - aber wenn es beim thema nähe darauf kommt, kannst du ja sagen, dass es sich mit ihm ein bisschen weiterentwickelt hat. dass "ihr euch nahe gekommen seid". da kann sie dann interpretieren was sie will ;)

    und wenn ich als therapeutin so etwas hören würde, würde es mir glaub ich dann auch primär darum gehen, wie es euch beiden gefühlstechnisch geht (also ... liebe und so) und nicht, was ihr definitiv macht ;) - aber an sich ist das ja ne optimale konstellation... ihr zwei und zwischen euch eine therapeutin, die notfalls beziehungsprobleme lösen könnte :P (also beziehung nicht nur im engen sinn)

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  2. ich weiß nicht, ich würde es ihr glaub ich erst mal nicht erzählen, wenn dich diese ungesprochenene worte nicht im herzen quält. ich würde warten ob es noch mehrere wochen so weiterläuft wie im moment, wenn ja, würde ich ihr dann davon erzählen. ich glaube nicht, dass sie dich verurteilen würde.
    ich finde gut, dass deine therapeutin so eine aktion in die wege geleitet habt. ich hoffe, du schaffst es nach und nach nähe zu zulassen und sie vielleicht irgendwann zu akzeptieren oder gar zu genießen.

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