Donnerstag, 14. März 2013

Irgendwas stimmt nicht, irgendwas brodelt, was-ist-los?
Hier in der WG fühle ich mich wohl. Das kommuniziere ich gegenüber jedem meiner Bekannten so, meiner Therapeutin, meiner Betreuerin. Das versuche ich mir selbst vorzuleben, "mir geht es doch gut hier, ich bin halt nur viel unterwegs."
Aber so ist das, wenn ich mal ehrlich zu mir bin nicht. Nachhause kommen ist für mich kein Gefühl von Geborgenheit, es macht mir Angst. Ich, in einer Wohnung mit 6 weiteren Leuten, mit denen ich seit Wochen, Monaten nichts zu tun habe. Das hier ist eine Zweck-WG, vielleicht war gerade ich der Grund dafür. Wir haben ein Pärchen, das oft zusammen kocht und einen weiteren, der sich ab und an dazu gesellt. Eben jener zieht jetzt aus, wie ich gerade erfahren habe. Derjenige, mit dem ich noch am meisten zu tun hatte. Der Auslöser für diese Reflexion.
Ich wünschte, ich könnte auf der Stelle hier weg, auf der anderen Seite weiß ich genau, dass ich im Oktober nicht mehr hier wohnen werde. Entweder danach geht es in eine andere Stadt zum studieren oder ich mache ein Auslandsjahr, was auch immer. 
Wenn ich genauer darüber nachdenke, dann merke ich: es ist nicht die WG, die so schlimm ist, es ist die soziale Phobie. Wäre das Problem, dass wir aneinander vorbeileben - okay, ist halt blöd, aber ich habe eh keine Zeit für noch mehr Unternehmungen. Aber dass ich mich nicht traue auf Toilette zu gehen, weil in der Küche, durch die ich müsste, gerade jemand ist, das ist nicht normal. Ich kenne dieses Muster ganz genau, es ist mir viel zu bekannt. Es erinnert mich an die Zeit bevor meiner Aufnahme in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, da habe ich das erste Mal in einer WG gewohnt. Ich hatte wirklich panische Angst vor meiner Mitbewohnerin, ich habe teilweise das Licht ausgemacht (, ich hatte eine Milchglasscheibe in meiner Tür), wenn sie nachhause gekommen ist und mich dann auf mein Bett gelegt und mich nicht mehr bewegt, aus Angst, sie bemerkt, dass ich zuhause bin.
Sicher, das war deutlich krasser, aber ich hatte genau dasselbe Vermeidungsmuster, wie gerade jetzt.
Es setzt mir unheimlich zu, anerkennen zu müssen, dass die soziale Phobie nicht einfach weg ist.
Ja, ich habe Fortschritte gemacht, ich habe ein mehr oder weniger intaktes soziales Umfeld und einen Freund, was für mich damals unvorstellbar gewesen wäre.
Keiner sieht mehr die sozial phobischen Anteile, meine Betreuerin nicht, meine Therapeutin nicht, meine Freunde nicht. Vor allem aber ich nicht. Zumindest habe ich mir das bis jetzt nicht eingestanden, weil es mich tief kränkt und hilflos macht. Meine soziale Phobie begleitet mich schon mein Leben lang, ich möchte mir nicht eingestehen, dass sie das immer noch tut.
Denn genau das hat die ganze letzte Zeit schon an mir genagt, unterbewusst. Ich habe nie wirklich die Courage gehabt, mich damit auseinanderzusetzen, habe weiterhin lächelnd versichert, dass es toll ist, in einer WG zu leben, obwohl es sich falsch anfühlte.
Den Ist-Zustand zu verbalisieren, vor allem aber überhaupt gerade zu realisieren, tut mir unheimlich weh. Die kleine Welt, in der Try seit ihrer Klinikentlassung alles immer besser hinbekommt, bekommt Kratzer ab.
Nicht alles geht straight aufwärts. Vieles ist nach wie vor ein Kraftakt, das lehrt uns: äußerer Anschein und Realität sind nicht das gleiche. Ich sollte mich nicht selbst belügen und beides gleichsetzen.

Kommentare:

  1. das ist zwar an sich unschön, aber immerhin kannst du jetzt schoeinmal sagen, was das mulmige gefühl ist, das du hast.

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  2. Ohja, wie Recht du hast!
    Gestern hat es mich erstmal nur fertig gemacht, ich habe dann mit Ach und Krach noch die Kurve bekommen, bin zu meinem Freund gefahren und habe mich abgeregt. Es tut irgendwie doch gut, alles in meinem Kopf etwas zu strukturieren.

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