Montag, 6. Mai 2013

Dingdong, 19:15.
Komasaufen mit Orangensaft, wie viel geht noch? Ach, ein halber Liter passt noch, noch einer, noch einer!
Friedenweiler hat nichtmal einen Supermarkt und in der Kantine der Klinik ist während der Essensausgabe kein unbemerkter Essanfall möglich - also nehmen wir doch die lieben, 24/7 zur Verfügung stehenden Säfte, yay.

Ich fühl mich so lachhaft hier. Ich bin nicht mehr so krank wie damals. Mir geht es nicht mehr so schlecht, wie es den meisten anderen hier und trotzdem strebe ich das Negative an. Ich bin klar im Kopf, nicht mehr verschleiert und vernebelt.
Ich würde mich trotz oder gerade deswegen so gerne wieder in die Arme der Medikamente fallen lassen, ich möchte benebelt in der Welt der Benzodiazepine umherwandeln. Das wäre so viel einfacher. Keine Probleme mehr mit Sexualität, keine Studienwahl, kein Haushalt mehr, der geführt werden muss. Ich mache genau dasselbe, wie der Rest der Gesellschaft. Ich verkläre die Depression, mystifiziere sie und romantisiere sie.
Der Unterschied ist, dass ich im Gegensatz zu den meisten ganz genau weiß, wie sie sich anfühlt.

Oh, ich wünschte, ich könnte die Vergangenheit gehen lassen, ich wünschte, ich könnte Altes loslassen.
Noch ein Gläschen O-Saft, Cheers.

Kommentare:

  1. "Ich fühl mich so lachhaft hier. Ich bin nicht mehr so krank wie damals. Mir geht es nicht mehr so schlecht, wie es den meisten anderen hier und trotzdem strebe ich das Negative an." Davor habe ich auch Angst, wenn ich in ein paar Monaten wieder in der Klinik bin. Wie läuft das bei dir ab in der Klinik? Einmal Einzeltherapie pro Woche, der Rest Gruppentherapie?

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    1. Ich bin privat versichert. Bei mir gibt's 3* Einzel, 4* Gruppe, 2* Indikationsgruppe und drumherum noch Kunst und Musik usw.
      Muss aber sagen, dass ich in den Kliniken bisher weniger Therapie hatte. Drücke dir die Daumen für die Klinik!!

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